
Schneidgase beim Laserschneiden — Sauerstoff vs. Stickstoff
Die Wahl des Schneidgases entscheidet über Kantenqualität, Schnittgeschwindigkeit und Kosten. Wir erklären, wann sich günstiger und schneller Sauerstoff lohnt und wann sauberer, aber teurerer Stickstoff sinnvoll ist — und welches Gas zu welchem Werkstoff passt.
Beim Laserschneiden arbeitet nicht nur der Strahl. Mit ihm strömt ein Schneidgas (Assistgas) durch die Düse, das geschmolzenes Material aus dem Schnitt bläst und die Kante kühlt. Dieses Gas entscheidet, wie die Kante aussieht, wie schnell das Teil geschnitten wird und was der Schnitt kostet. Die beiden häufigsten Optionen sind Sauerstoff (O₂) und Stickstoff (N₂).
Wie das Schneidgas wirkt
Der Laserstrahl schmilzt das Material, doch die Wärme allein würde das Metall nur an Ort und Stelle schmelzen. Das unter Druck stehende Schneidgas bläst durch die Schmelzzone, drückt das geschmolzene Metall nach unten durch die Schnittfuge (Kerf) und hält die Kante sauber. Ob das Gas chemisch mit dem Material reagiert oder nicht, verändert den gesamten Charakter des Schnitts.
Sauerstoff (O₂) — schnell und günstig bei dickem Stahl
Sauerstoff reagiert chemisch mit Kohlenstoffstahl — er verbrennt ihn. Diese exotherme Reaktion fügt dem Schnitt eigene Wärme hinzu, sodass der Laser deutlich schneller schneidet und auch größere Dicken bewältigt. Das Gas ist günstig. Nachteil ist eine dünne Oxidschicht (Zunder) auf der Kante — eine dunklere, leicht raue Spur des Verbrennens.
- Hohe Schnittgeschwindigkeit, besonders bei dickerem Blech
- Niedrige Gaskosten — die wirtschaftliche Wahl für Baustahl
- Oxidschicht auf der Kante — vor dem Beschichten zu entfernen
- Geeignet für Kohlenstoffstahl und größere Dicken
Stickstoff (N₂) — saubere, oxidfreie Kante
Stickstoff ist inert — er reagiert nicht mit dem Material, sondern bläst die Schmelze nur mechanisch heraus. Die Kante bleibt daher hell, metallisch sauber und frei von Oxid, sofort bereit zur Weiterverarbeitung. Der Preis dafür ist eine geringere Schnittgeschwindigkeit (keine exotherme Wärme) sowie ein deutlich höherer Gasverbrauch und höhere Kosten, da Stickstoff mit höherem Druck strömen muss.
- Saubere, helle, oxidfreie Kante — ideal vor dem Beschichten
- Pflicht bei Edelstahl und Aluminium, wo Sauerstoff die Kante schwärzt
- Geringere Schnittgeschwindigkeit und höherer Gasverbrauch
- Höherer Schnittpreis im Tausch gegen Kantenqualität
Welches Gas für welchen Werkstoff
Die Gaswahl richtet sich weitgehend nach dem Werkstoff. Kohlenstoffstahl verträgt beides, während Edelstahl und Aluminium fast immer Stickstoff erfordern.
- Kohlenstoffstahl — O₂ für Tempo und Preis, N₂ für eine saubere Kante
- Edelstahl — N₂, damit die Kante nicht dunkel wird und nicht rostet
- Aluminium — N₂ (oder Druckluft) für einen sauberen, hellen Schnitt
Was das für Preis, Tempo und Ihren Auftrag bedeutet
Sauerstoff ist meist günstiger und schneller, allerdings mit Oxidkante; Stickstoff ist teurer und langsamer, liefert aber eine saubere, lackierfertige Kante. Geht das Teil direkt zur Pulverbeschichtung, zum Lackieren oder bleibt es sichtbar, lohnt sich Stickstoff — Sie sparen die spätere Kantenreinigung. Bei einem einfachen Bauteil, das ohnehin verschweißt oder verdeckt wird, ist Sauerstoff wirtschaftlicher. Sie müssen das Gas im Auftrag nicht angeben — wir wählen es nach Werkstoff und gewünschter Kantenqualität, oder Sie teilen uns einfach mit, ob die Kante für die Beschichtung sauber bleiben soll.

